Töchter der Himmel 1

Die Geschichte der Seefahrer

Vor vielen, vielen Jahren waren die Seefahrer die uneingeschränkten Herrscher des Spiegel­meers, in das Albion wie ein Finger hineinragt. Ihre langen, schnittigen Schiffe mit den tiefblauen Segeln lieferten begehrte exotische Hölzer und beste Tücher von ihrer Heimat im Süden in alle Länder an den Küsten des Meeres. Doch trotz – oder gerade wegen ihres Handels­geschicks waren die bronze­häutigen Kauf­leute mit dem schwarzgelockten Haar bei den mächtigen Völkern am Spiegel­meer weniger und weniger willkommen.

Vor bald fünfhundert Jahren fielen die Barbaren in die reichen Städte der Seefahrer ein. Deren flehentliche Hilfe­gesuche wurden nicht erhört und die wenigen, die dem schreck­lichen Gemetzel entkamen, flohen über das Meer. Sie suchten Schutz in den Handels­posten, die sie überall ge­gründet hatten; doch die meisten dieser Häfen wurden von den eifer­süchtigen Nachbarn ge­plündert. Nur wenige Orte entgingen diesem Schicksal.

Die Stadt Albion, über den Fluss Amnia mit dem Meer verbunden, war die größte Siedlung, die dem Untergang der See­fahrer entkam. Das dortige Land, das die See­fahrer nach den weißen Klippen an der Mündung Amnias das Weiße Land nannten war zu dem Zeit­punkt größtenteils Bauern bewohnt, die von den vergangenen Kulturen des Landes keine Ahnung hatten. Die an­grenzenden König­reiche begannen bald, die Fürsten der Seefahrer als recht­mäßige Herrscher über das Weiße Land zu sehen und hundert Jahre später gab es auf der Halbinsel jenseits der Berge nur noch ein König­reich: Albion.

Von Albion aus einten die Nach­kommen der Seefahrer also das Land, und brachten die Zivi­lisation und ihren Glauben an den Pantheon mit, der sich heute, fünfhundert Jahre später, anschickt, zur einzigen Religion des Landes zu werden.